Ratgeber › Beruf und Aufgaben

Physician Assistant: Einsatzbereiche, Arbeitgeber und Arbeitsmarkt

Aktualisiert am 02.11.2026Redaktion, Herausgeber: Hendrik Loll

Stadtplan aus Papier mit kleinen Gebäuden und Markierungsnadeln

Kurzantwort: Rund 90 % der PAs arbeiten laut Schätzung im Krankenhaus (Rheinisches Ärzteblatt, 2025). In unserer Auswertung von 179 Stellenanzeigen (Stand 05.11.2026) kommen 77 % aus Krankenhäusern und 17 % aus MVZ und Praxen; am häufigsten gesucht werden Orthopädie und Unfallchirurgie (23), Allgemeinmedizin (21), Notfallmedizin (17). Nach Anzeigen gehören Visiten, Aufnahme, Blutentnahmen, Zugänge, Wundversorgung, Arztbriefe und OP-Assistenz zum Alltag. Wie viele PAs es gibt, ist umstritten: Das Rheinische Ärzteblatt nennt rund 1.800 Absolventen bis 2024, andere Quellen kommen auf 2.454 bis ca. 3.087.

Worum es geht

„Wo kann ich als Physician Assistant arbeiten?“ lässt sich mit drei Quellen beantworten: Stellenanzeigen für die Aufgaben, Schätzungen der Ärztekammer für die Verteilung und dem BÄK-Papier für das, was nach dem Studium möglich sein soll. Zahlen zu Arbeitsmarkt, Gehalt und Stellenanzahl sind dünner. Wo wir nichts belegen können, schreiben wir es dazu.

Krankenhaus ist der Normalfall

Das Rheinische Ärzteblatt (9/2025) schreibt, in den Krankenhäusern seien PAs „schon der Normalfall“, und nennt Schätzungen, nach denen rund 90 % der PAs in einem Krankenhaus beschäftigt sind. Als Vorteil für die Kliniken führt es an: PAs können sich dauerhaft in eine Abteilung einarbeiten, während Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung die Abteilung in der Regel nach einem halben Jahr wechseln. Zudem lassen sich die Personalkosten im Fallpauschalensystem besser abbilden als in der ambulanten Versorgung. In operativen Fächern gebe es Überschneidungen mit operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten; PAs könnten aufgrund ihres breiteren Studiums deutlich mehr delegierbare ärztliche Aufgaben übernehmen.

Was Anzeigen verlangen: zwei Beispiele und die Auswertung

FachgebietAufgaben laut AnzeigeQuelle und Stand
Viszeral-, Gefäß- und Endokrine Chirurgie, Universitätsmedizin HalleVisiten begleiten und dokumentieren; Anamnese erheben und dokumentieren; Arztbriefe und Entlasspläne vorbereiten; delegierte Tätigkeiten wie Blutentnahmen, periphervenöse Zugänge, Wundversorgungen; Koordination von Untersuchungen und Konsilen; Assistenz im OPAnzeige Nr. 162-2026, Abruf 25.10.2026
Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler, Uniklinik AachenUnterstützung bei delegierbaren Aufgaben; vorbereitende Erhebung der Krankengeschichte; Blutabnahme und Zugangsanlage; Visitenbegleitung; Konsile und Bildgebung koordinieren; Arztbriefe; Unterstützung bei Therapieplanung; vorbereitende echokardiographische Untersuchungen; gelegentlich Wochenend-VisitendienstAnzeige GB-P-50451, Bewerbungsfrist 02.04.2025 (abgelaufen); Spiegelung bei StudySmarter, Abruf 25.10.2026

Auswertung: wo PAs laut Anzeigen eingesetzt werden

Für den Stellenmarkt haben wir 179 Stellenanzeigen ausgewertet, die ausdrücklich Physician Assistants suchen (Stand 05.11.2026; Grundlage sind alle PA-Anzeigen der Jobbörse der Bundesagentur an diesem Tag, ergänzt um Karriereseiten und weitere Jobbörsen). Gezählt ist das Fachgebiet und der Einsatzbereich, den die Anzeige nennt. Die Rohdaten liegen als data/anzeigen.json vor.

Fachgebiet laut AnzeigeAnzeigen
Orthopädie und Unfallchirurgie23
Allgemeinmedizin (Hausarztpraxis, hausärztliches MVZ)21
Notfallmedizin (Notaufnahme)17
Gynäkologie und Senologie8
Innere Medizin (allgemein)9
Rehabilitation8
Herz- und Thoraxchirurgie7
Kardiologie11
Geriatrie7
Neurologie6
Gastroenterologie6
Allgemein- und Viszeralchirurgie6
Neurochirurgie5
Onkologie und Hämatologie4
Psychiatrie und Psychosomatik6
weitere Fächer (Pneumologie, Urologie, Plastische Chirurgie, Pädiatrie, Dermatologie u. a.)siehe Stellenmarkt
kein Fachgebiet genannt16

Nach Einsatzbereich nennen 62 Anzeigen die Station, 38 Station und OP zusammen (typisch für die operativen Fächer, etwa „Stationsorganisation und 1. OP-Assistenz“ in der Urologie des Karolinen-Hospitals Arnsberg), 28 die Praxis, 17 die Notaufnahme, 9 eine Ambulanz oder einen Funktionsbereich (etwa onkologische oder senologische Ambulanz, Echokardiographielabor) und 4 allein den OP.

Was die Auswertung zeigt und was nicht: PAs werden in fast allen großen Fächern gesucht, am häufigsten in diesen: Orthopädie und Unfallchirurgie (23), Allgemeinmedizin (21), Notfallmedizin (17). Krankenhäuser stellen 77 % der Anzeigen. Die Zahlen beschreiben Anzeigen, nicht Beschäftigte: Ein Haus mit vielen PAs schreibt nicht unbedingt aus, und eine Anzeige kann mehrere Stellen meinen. Eine Verteilung der beschäftigten PAs auf Fachgebiete gibt es nur aus der DHPA-Befragung von 2020: 89 Prozent arbeiteten an Krankenhäusern, dort zumeist in operativen Abteilungen (61 Prozent; Deutsches Ärzteblatt).

Einzelne Fächer mit Aufgaben, Grenzen und Anzeigen: Orthopädie und Unfallchirurgie, Notaufnahme, Kardiologie und Herzchirurgie, Gynäkologie und Senologie.

Welche Aufgaben die Fachgebiete teilen

Das Rheinische Ärzteblatt wertet Stellenangebote der Bundesagentur aus. Erwartet werden demnach Unterstützung des Ärztlichen Dienstes bei delegierbaren Tätigkeiten (Blutentnahmen, Legen nasaler Magensonden und Venenverweilkanülen), Mitwirkung bei Diagnosen einschließlich DRG-Kodierung und bei Behandlungsplänen, (Vor-)Bewertung und Dokumentation von Befunden, Überwachung ärztlich eingeleiteter Therapien, Mitwirkung bei Eingriffen und Notfallbehandlungen sowie Kommunikation mit Sozialdienst, Pflege, Patienten und Angehörigen.

Das BÄK-Positionspapier ordnet Tätigkeiten drei Stufen zu. Spezielle Kompetenzen, etwa Punktionen von Körperhöhlen, zentralvenöse Injektionen oder Intubation mit niedrigem Komplikationsrisiko bei fachärztlicher Bereitschaft in Rufnähe, sollen erst nach dem Studium durch Erfahrung und Fortbildung entwickelt werden. Details in Studieninhalte. Was rechtlich delegierbar ist, zeigt der Delegations-Check.

Spezialisierung über den Master

Wer sich in einem Fachgebiet vertiefen will, findet Masterangebote mit klinischem Zuschnitt: Die SRH University führt Master-Schwerpunkte in Klinischer Notfallmedizin, Ambulanter Versorgung, Intensivmedizin sowie Kardiologie und Kardiochirurgie; die FHM bietet „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ an. Mehr in Physician Assistant Master.

Ambulant: kleiner, aber wachsend

Im ambulanten Bereich ist der Einsatz seltener. Die KV Nordrhein-Umfrage von 2024 (zitiert in der Bertelsmann-Studie) ergab, dass 19 % der antwortenden Ärzte bereits einen PA beschäftigen, 76 % dem Berufsbild positiv gegenüberstehen und 67 % sich eine künftige Zusammenarbeit vorstellen können. Im Modellprojekt der KVWL übernahmen PAs im Schnitt rund 30 % der Patientenkontakte (KVWL, Pressemitteilung zum Abschlussbericht). Alles Weitere, einschließlich Abrechnungsfragen, steht in Physician Assistant in der Hausarztpraxis.

Arbeitsmarkt: was wir sagen können

  • Angebot an PAs: Rund 1.800 Bachelor-Absolventen (Stand 2024) laut Rheinischem Ärzteblatt, andere Quellen nennen 2.454 bis ca. 3.087; die Studierenden sind deutlich mehr. Das Ärzteblatt erwähnt eine Prognose von über 30.000 PAs, ohne Quelle; wir übernehmen sie nicht als Erwartungswert.
  • Nachfrage: Das Rheinische Ärzteblatt spricht von einem wachsenden Arbeitsmarkt, nicht zuletzt wegen des Ärztemangels. Am 01.11.2026 listete die Jobbörse der Bundesagentur 94 Treffer zum Suchbegriff „Physician Assistant“, davon 21 ohne PA-Bezug oder von Personaldienstleistern. Ergänzt um Karriereseiten und weitere Jobbörsen und bereinigt um Dubletten kamen wir auf 179 PA-Anzeigen von 156 Arbeitgebern (Stellenmarkt); eine Zahl aller offenen PA-Stellen ist das nicht.
  • Arbeitgeber: 138 der 179 Anzeigen stammen aus Krankenhäusern (darunter 9 Unikliniken), 31 aus MVZ und Praxen, 9 aus Reha- und Vorsorgekliniken. Wer konkrete Häuser sucht, findet sie im Arbeitgeberverzeichnis. Der Tarif unterscheidet sich je Arbeitgeber: 55 % der Anzeigen nennen einen Tarif, Entgeltgruppen reichen von E 9a bis E 12 (siehe Gehalt).
  • Befristung: 96 Anzeigen sind ausdrücklich unbefristet (54 %), 9 befristet, 74 nennen es nicht. Teilzeit ist in 61 % der Anzeigen möglich. Die abgelaufene Aachener Anzeige war unbefristet.

Was offen bleibt

Eine Statistik über Beschäftigte, Fachgebiete und Gehälter einzelner PAs gibt es nicht; der Beruf ist nicht gesetzlich geregelt (Wissenschaftlicher Dienst des Bundestags, 27.04.2026). Wir nehmen Zahlen erst auf, wenn eine Primärquelle sie trägt. Für die Stellensuche: die Liste im Stellenmarkt mit Links zu den Originalanzeigen, das Arbeitgeberverzeichnis und die Karriereseiten der Kliniken; Wege zu Stellen beschreibt Physician Assistant Jobs, den Tarif TVöD und TV-L.

Häufige Fragen

In welchen Fachgebieten arbeiten Physician Assistants?

Vor allem im Krankenhaus. In 179 ausgewerteten Stellenanzeigen (Stand 05.11.2026) suchen am häufigsten Orthopädie und Unfallchirurgie (23), Allgemeinmedizin (21), Notfallmedizin (17); operative Fächer stehen in 53 Anzeigen, internistische und neurologische in 47, die Notaufnahme in 17. Das BÄK-Papier und das Rheinische Ärzteblatt nennen Chirurgie, Innere Medizin und Notfallversorgung; ambulant kommt die Hausarztpraxis hinzu. Die Auswertung steht auf der Seite [Stellenmarkt](/stellenmarkt/).

Was macht ein Physician Assistant im Krankenhaus den ganzen Tag?

Laut Anzeigen: Visiten begleiten und dokumentieren, Anamnese erheben, Arztbriefe und Entlasspläne vorbereiten, Blut abnehmen, Zugänge legen, Wunden versorgen, Untersuchungen und Konsile koordinieren, im OP assistieren. Anamnese als Erhebung und Dokumentation ist von der ärztlichen Anamnese zu unterscheiden, die als nicht delegierbar gilt.

Wie viele Physician Assistants gibt es in Deutschland?

Rund 1.800 Bachelor-Absolventen bis 2024 (Rheinisches Ärzteblatt). Andere Quellen nennen mehr: 2.454 bis 2024 (Hochschulverband laut DHGS), ca. 3.087 (myStipendium); das sind größere Zahlen mit anderer Zählweise. Das Ärzteblatt erwähnt zudem „Prognosen“ von mehr als 30.000 PAs, ohne eine Quelle zu nennen. Belastbare Beschäftigtenzahlen der Bundesagentur gibt es für PAs nicht gesondert.

Quellen