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Physician Assistant Studieninhalte: Was Du lernst und wie viel Praxis dazugehört

Aktualisiert am 02.11.2026Redaktion, Herausgeber: Hendrik Loll

Mikroskop auf einer aufgefalteten Papierlandschaft

Kurzantwort: Das BÄK-Positionspapier (April 2025) gibt Mindestinhalte vor: 180 ECTS für sekundärqualifizierende, 210 ECTS für primärqualifizierende Studiengänge, ein ECTS-Punkt zählt 25 Stunden. Rund 1.437 Stunden (etwa 60 ECTS) entfallen auf Praxis. Das Papier ist keine Rechtsnorm; die Hochschulen setzen es unterschiedlich um. Als Beispiel: HAW Landshut, 8 Semester, 240 ECTS, mit 25-ECTS-Praktikum im 7. Semester.

Worum es geht

Es gibt keinen bundeseinheitlichen Lehrplan für Physician Assistants. Der wichtigste Referenzrahmen ist das Positionspapier der Bundesärztekammer (BÄK) von April 2025, erarbeitet mit der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants. Es ist keine Rechtsnorm, aber nach dem Rheinischen Ärzteblatt ein „als weitgehend verbindlich erachteter Rahmen“. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält fest, dass sich die Hochschulen bisher am Musterstudienplan von BÄK und KBV aus dem Jahr 2017 orientieren und es keine einheitliche Abschlussprüfung gibt.

Die Mindestinhalte nach BÄK-Papier

Das Papier verteilt 180 ECTS auf fünf Bereiche. Ein ECTS-Punkt wird mit 25 Zeitstunden gerechnet. Die Werte sind Mindestwerte.

BereichInhalte (Auswahl)Mindest-ECTS
Naturwissenschaftliche und medizinische GrundlagenNaturwissenschaften und Terminologie 5, Anatomie/Physiologie 10, Pathologie/Pathophysiologie 10, Pharmakologie/Toxikologie 530
Klinische FächerAmbulante und stationäre Medizin 5, Anamnese und körperliche Untersuchung 5, Innere Medizin 10, Chirurgie 10, Orthopädie/Unfallchirurgie 5, weitere klinische Fächer 5, Pädiatrie 5, Allgemeinmedizin 5, Anästhesiologie/Intensivmedizin 5, Notfallmedizin 5, OP-Lehre/Labor/Funktionsdiagnostik 5, Infektiologie/Impfen/Hygiene 570
Gesundheitssystem und RechtPublic Health 5, rechtliche Aspekte 5, Medizintechnik 5, IT/Qualitätsmanagement/Dokumentation 520
Schlüsselkompetenzen und WissenschaftSchlüsselkompetenzen 5, wissenschaftliches Arbeiten 5, Bachelorarbeit 1020
Praktische Ausbildungje 20 ECTS in einer von der Hochschule anerkannten Einrichtung (Notfallversorgung, Aufnahme/Anamnese/Untersuchung, interventionelle Versorgung, Gesprächsführung) und an der Hochschule (u. a. Abdomensonographie, Echokardiographie, operative Versorgung)40
Summe180

Quelle und Stand: BÄK-Positionspapier April 2025, Teil III; Summen von uns nachgerechnet.

Praxisanteil. Laut Papier soll in den zwölf klinischen Modulen mindestens ein Viertel der ECTS in einem fachbereichsspezifischen Praktikum geleistet werden. Bei 70 ECTS sind das 437,5 Stunden. Dazu kommen 20 ECTS in einer anerkannten Einrichtung (500 Stunden) und 20 ECTS praktische Ausbildung an der Hochschule (500 Stunden), zusammen 1.437,5 Stunden, rund 60 ECTS. Der Nachweis läuft über ein digitales Logbuch, die Bescheinigung der Kompetenzen soll durch Fachärztinnen und Fachärzte erfolgen.

Ohne Berufsausbildung. Ein primärqualifizierendes Studium muss laut Papier von 180 auf mindestens 210 ECTS (7 Semester) erweitert werden. Die zusätzlichen 30 ECTS: medizinische Grundlagen (5), Ethik im Gesundheitswesen (5), Berufsverständnis und interprofessionelle Zusammenarbeit (5), Aufbau des Gesundheitssystems, Berufspolitik und Recht (5) sowie Praktika in der ambulanten und stationären Versorgung im ärztlichen Dienst (je 5). Vor dem Studium ist ein sechswöchiges Pflegepraktikum nachzuweisen; ein FSJ oder Bundesfreiwilligendienst im Gesundheitssystem kann dies abgelten.

Das Kompetenzmodell: Was Du nach dem Studium kannst

Das Papier ordnet Tätigkeiten drei Stufen zu. Die Hochschulen sollen Stufe 1 und 2 im Studium vermitteln und prüfen; Stufe 3 entwickelt sich nach dem Abschluss durch Erfahrung und Fortbildung.

StufeBeispiele aus dem Papier
1 GrundkompetenzenAnamnese durchführen und dokumentieren, periphere Gefäßzugänge legen, Blasendauerkatheter legen, periphere Injektionen (i.c., s.c., i.m., i.v.), Infusionen anlegen, chirurgische Händedesinfektion, 2. chirurgische Assistenz, Erkennen lebensbedrohlicher Zustände
2 Erweiterte Kompetenzenorientierende sonographische Untersuchungen, Wundmanagement und Verbandwechsel, Auswertung von Ruhe- und Belastungs-EKG, 1. Assistenz bei endoskopischen Operationen, einfache Wundverschlüsse, Ersteinschätzung
3 Spezielle KompetenzenInjektionen auch über zentralvenöse Zugänge, Punktion von Körperhöhlen und Einlegen von Drainagen, endoskopische Maßnahmen, Auswertung von Langzeit-EKG, Intubation mit niedrigem Komplikationsrisiko „mit fachärztlicher Bereitschaft in Rufnähe“

Quelle und Stand: BÄK-Positionspapier April 2025, Teil VIII (Auswahl). Das Papier betont, das letztendliche Ausmaß der Delegation bestimme die ärztliche Person, die Durchführungsverantwortung trage der PA. Welche Tätigkeiten nach Recht delegierbar sind, behandelt der Delegations-Check.

Ein Beispiel: HAW Landshut

Die Studienordnung (2. Änderungssatzung, in Kraft ab 01.10.2025) zeigt, wie eine Hochschule den Rahmen füllt: acht Semester, 240 ECTS, Vollzeit.

  • Semester 1 und 2: Naturwissenschaftliche Grundlagen, Anatomie und Pathologie, Physiologie und Pathophysiologie, Anamnese und Untersuchung, Medizinische Grundlagen, Praxismodul Anamnese, Mikrobiologie und Hygiene, Allgemeinmedizin, Schlüsselkompetenzen, Gesundheitsökonomie (je Modul 5 ECTS), Studium Generale (6 ECTS).
  • Semester 3 und 4: Ambulante/stationäre Medizin, Pharmakologie, Innere Medizin 1 und 2, OP-Lehre und Funktionsdiagnostik, Praxismodul Sonografie, ein externes ambulantes Praktikum (6 ECTS), Notfallmedizin, Chirurgie 1, Public Health, Praxismodul Notfallmedizin.
  • Semester 5 und 6: Orthopädie und Unfallchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, Pädiatrie, Chirurgie 2, Medizintechnik, Ethik und Recht, Praxismodul operative Versorgung, Interprofessionalität.
  • Semester 7: Praktikum mit Praktikumsbericht (25 ECTS) und praktikumsbegleitende Lehrveranstaltung.
  • Semester 8: Repetitorium medizinisches Wissen als schriftliche Abschlussprüfung aus drei Klausuren „gemäß Papier der Bundesärztekammer“, Repetitorium Skills und Fallvorstellung, Bachelorarbeit (12 ECTS).

Zugang: Hochschulzugangsberechtigung nach bayerischem Recht (§ 3 Abs. 1) oder alternativ eine Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf mit anschließend dreijähriger Berufspraxis (§ 3 Abs. 2), Deutsch auf B2-Niveau und eine sechswöchige Vorpraxis, die für Studierende ab dem Wintersemester 2026/27 gilt (laut Inkrafttretensregel der Satzung). Im Vergleich zum Rahmen oben liegt Landshut mit 240 ECTS über dem BÄK-Mindestwert von 210 ECTS für primärqualifizierende Studiengänge.

Zum Vergleich: TH Aschaffenburg

Die TH Aschaffenburg kommt mit sieben Semestern und 210 ECTS genau auf den BÄK-Mindestwert für primärqualifizierende Studiengänge und organisiert die Praxis anders: Laut Studien- und Prüfungsordnung (SPO B-PA vom 11.07.2024, Fassung vom 10.07.2026, § 8) folgt in jedem Semester auf die Präsenzphase eine sechswöchige Praxisphase mit je 10 ECTS, von der Berufsfelderkundung im ersten über Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie/Notfall/Intensivmedizin, Neurologie/Arbeitsmedizin und Urologie/Gynäkologie/Pädiatrie bis zur ambulanten Versorgung im siebten Semester. Die medizinischen Grundlagen laufen in vier Modulen „Medizinische Bezugswissenschaften“ (Anatomie und Physiologie, Pathophysiologie, Anamnese, Pharmakologie); die Bachelorarbeit hat 12 ECTS. Ein Vorpraktikum regelt die SPO nicht.

Wie Du Studiengänge vergleichst

Frag jede Hochschule, nicht nur nach dem Namen, sondern nach diesen Punkten:

  1. Wie viele ECTS und wie viele Praxisstunden hat der Studiengang, und was davon ist extern?
  2. Welche Praktikumsstellen vermittelt die Hochschule, und wer bescheinigt die Kompetenzen (Logbuch)?
  3. Gibt es eine Abschlussprüfung, die sich am BÄK-Papier orientiert?
  4. Wie hoch ist der Online-Anteil? Das BÄK-Papier erkennt Fernstudiengänge nicht an (siehe Physician Assistant Fernstudium).

Den Abgleich mit den BÄK-Kriterien, soweit belegt, zeigen die Detailseiten in der Studiengangsübersicht. Weiter: Masterstudiengänge.

Häufige Fragen

Wie viel Praxis steckt im PA-Studium?

Das BÄK-Papier sieht für den 180-ECTS-Studiengang 1.437,5 Stunden praktische Ausbildung vor, etwa 60 ECTS: mindestens 25 % der ECTS in den klinischen Modulen (437,5 Stunden), 20 ECTS in anerkannten Einrichtungen und 20 ECTS praktische Ausbildung an der Hochschule.

Gibt es eine einheitliche Abschlussprüfung?

Nein. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags stellt fest, dass es keine einheitliche Abschlussprüfung gibt. Die BÄK fordert eine bundeseinheitliche Prüfung; einzelne Hochschulen wie Landshut haben ein Repetitorium mit drei Klausuren „gemäß Papier der Bundesärztekammer“ eingeführt.

Worin unterscheiden sich primär- und sekundärqualifizierende Studiengänge?

Primärqualifizierende Studiengänge (ohne Berufsausbildung) müssen laut BÄK-Papier auf mindestens 210 ECTS erweitert werden und setzen ein sechswöchiges Pflegepraktikum voraus. Sekundärqualifizierende (mit Berufsausbildung in einem der 17 anerkannten Gesundheitsberufe) umfassen mindestens 180 ECTS.

Quellen