Worum es geht
Es gibt keinen bundeseinheitlichen Lehrplan für Physician Assistants. Der wichtigste Referenzrahmen ist das Positionspapier der Bundesärztekammer (BÄK) von April 2025, erarbeitet mit der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants. Es ist keine Rechtsnorm, aber nach dem Rheinischen Ärzteblatt ein „als weitgehend verbindlich erachteter Rahmen“. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält fest, dass sich die Hochschulen bisher am Musterstudienplan von BÄK und KBV aus dem Jahr 2017 orientieren und es keine einheitliche Abschlussprüfung gibt.
Die Mindestinhalte nach BÄK-Papier
Das Papier verteilt 180 ECTS auf fünf Bereiche. Ein ECTS-Punkt wird mit 25 Zeitstunden gerechnet. Die Werte sind Mindestwerte.
| Bereich | Inhalte (Auswahl) | Mindest-ECTS |
|---|---|---|
| Naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen | Naturwissenschaften und Terminologie 5, Anatomie/Physiologie 10, Pathologie/Pathophysiologie 10, Pharmakologie/Toxikologie 5 | 30 |
| Klinische Fächer | Ambulante und stationäre Medizin 5, Anamnese und körperliche Untersuchung 5, Innere Medizin 10, Chirurgie 10, Orthopädie/Unfallchirurgie 5, weitere klinische Fächer 5, Pädiatrie 5, Allgemeinmedizin 5, Anästhesiologie/Intensivmedizin 5, Notfallmedizin 5, OP-Lehre/Labor/Funktionsdiagnostik 5, Infektiologie/Impfen/Hygiene 5 | 70 |
| Gesundheitssystem und Recht | Public Health 5, rechtliche Aspekte 5, Medizintechnik 5, IT/Qualitätsmanagement/Dokumentation 5 | 20 |
| Schlüsselkompetenzen und Wissenschaft | Schlüsselkompetenzen 5, wissenschaftliches Arbeiten 5, Bachelorarbeit 10 | 20 |
| Praktische Ausbildung | je 20 ECTS in einer von der Hochschule anerkannten Einrichtung (Notfallversorgung, Aufnahme/Anamnese/Untersuchung, interventionelle Versorgung, Gesprächsführung) und an der Hochschule (u. a. Abdomensonographie, Echokardiographie, operative Versorgung) | 40 |
| Summe | 180 |
Quelle und Stand: BÄK-Positionspapier April 2025, Teil III; Summen von uns nachgerechnet.
Praxisanteil. Laut Papier soll in den zwölf klinischen Modulen mindestens ein Viertel der ECTS in einem fachbereichsspezifischen Praktikum geleistet werden. Bei 70 ECTS sind das 437,5 Stunden. Dazu kommen 20 ECTS in einer anerkannten Einrichtung (500 Stunden) und 20 ECTS praktische Ausbildung an der Hochschule (500 Stunden), zusammen 1.437,5 Stunden, rund 60 ECTS. Der Nachweis läuft über ein digitales Logbuch, die Bescheinigung der Kompetenzen soll durch Fachärztinnen und Fachärzte erfolgen.
Ohne Berufsausbildung. Ein primärqualifizierendes Studium muss laut Papier von 180 auf mindestens 210 ECTS (7 Semester) erweitert werden. Die zusätzlichen 30 ECTS: medizinische Grundlagen (5), Ethik im Gesundheitswesen (5), Berufsverständnis und interprofessionelle Zusammenarbeit (5), Aufbau des Gesundheitssystems, Berufspolitik und Recht (5) sowie Praktika in der ambulanten und stationären Versorgung im ärztlichen Dienst (je 5). Vor dem Studium ist ein sechswöchiges Pflegepraktikum nachzuweisen; ein FSJ oder Bundesfreiwilligendienst im Gesundheitssystem kann dies abgelten.
Das Kompetenzmodell: Was Du nach dem Studium kannst
Das Papier ordnet Tätigkeiten drei Stufen zu. Die Hochschulen sollen Stufe 1 und 2 im Studium vermitteln und prüfen; Stufe 3 entwickelt sich nach dem Abschluss durch Erfahrung und Fortbildung.
| Stufe | Beispiele aus dem Papier |
|---|---|
| 1 Grundkompetenzen | Anamnese durchführen und dokumentieren, periphere Gefäßzugänge legen, Blasendauerkatheter legen, periphere Injektionen (i.c., s.c., i.m., i.v.), Infusionen anlegen, chirurgische Händedesinfektion, 2. chirurgische Assistenz, Erkennen lebensbedrohlicher Zustände |
| 2 Erweiterte Kompetenzen | orientierende sonographische Untersuchungen, Wundmanagement und Verbandwechsel, Auswertung von Ruhe- und Belastungs-EKG, 1. Assistenz bei endoskopischen Operationen, einfache Wundverschlüsse, Ersteinschätzung |
| 3 Spezielle Kompetenzen | Injektionen auch über zentralvenöse Zugänge, Punktion von Körperhöhlen und Einlegen von Drainagen, endoskopische Maßnahmen, Auswertung von Langzeit-EKG, Intubation mit niedrigem Komplikationsrisiko „mit fachärztlicher Bereitschaft in Rufnähe“ |
Quelle und Stand: BÄK-Positionspapier April 2025, Teil VIII (Auswahl). Das Papier betont, das letztendliche Ausmaß der Delegation bestimme die ärztliche Person, die Durchführungsverantwortung trage der PA. Welche Tätigkeiten nach Recht delegierbar sind, behandelt der Delegations-Check.
Ein Beispiel: HAW Landshut
Die Studienordnung (2. Änderungssatzung, in Kraft ab 01.10.2025) zeigt, wie eine Hochschule den Rahmen füllt: acht Semester, 240 ECTS, Vollzeit.
- Semester 1 und 2: Naturwissenschaftliche Grundlagen, Anatomie und Pathologie, Physiologie und Pathophysiologie, Anamnese und Untersuchung, Medizinische Grundlagen, Praxismodul Anamnese, Mikrobiologie und Hygiene, Allgemeinmedizin, Schlüsselkompetenzen, Gesundheitsökonomie (je Modul 5 ECTS), Studium Generale (6 ECTS).
- Semester 3 und 4: Ambulante/stationäre Medizin, Pharmakologie, Innere Medizin 1 und 2, OP-Lehre und Funktionsdiagnostik, Praxismodul Sonografie, ein externes ambulantes Praktikum (6 ECTS), Notfallmedizin, Chirurgie 1, Public Health, Praxismodul Notfallmedizin.
- Semester 5 und 6: Orthopädie und Unfallchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, Pädiatrie, Chirurgie 2, Medizintechnik, Ethik und Recht, Praxismodul operative Versorgung, Interprofessionalität.
- Semester 7: Praktikum mit Praktikumsbericht (25 ECTS) und praktikumsbegleitende Lehrveranstaltung.
- Semester 8: Repetitorium medizinisches Wissen als schriftliche Abschlussprüfung aus drei Klausuren „gemäß Papier der Bundesärztekammer“, Repetitorium Skills und Fallvorstellung, Bachelorarbeit (12 ECTS).
Zugang: Hochschulzugangsberechtigung nach bayerischem Recht (§ 3 Abs. 1) oder alternativ eine Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf mit anschließend dreijähriger Berufspraxis (§ 3 Abs. 2), Deutsch auf B2-Niveau und eine sechswöchige Vorpraxis, die für Studierende ab dem Wintersemester 2026/27 gilt (laut Inkrafttretensregel der Satzung). Im Vergleich zum Rahmen oben liegt Landshut mit 240 ECTS über dem BÄK-Mindestwert von 210 ECTS für primärqualifizierende Studiengänge.
Zum Vergleich: TH Aschaffenburg
Die TH Aschaffenburg kommt mit sieben Semestern und 210 ECTS genau auf den BÄK-Mindestwert für primärqualifizierende Studiengänge und organisiert die Praxis anders: Laut Studien- und Prüfungsordnung (SPO B-PA vom 11.07.2024, Fassung vom 10.07.2026, § 8) folgt in jedem Semester auf die Präsenzphase eine sechswöchige Praxisphase mit je 10 ECTS, von der Berufsfelderkundung im ersten über Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie/Notfall/Intensivmedizin, Neurologie/Arbeitsmedizin und Urologie/Gynäkologie/Pädiatrie bis zur ambulanten Versorgung im siebten Semester. Die medizinischen Grundlagen laufen in vier Modulen „Medizinische Bezugswissenschaften“ (Anatomie und Physiologie, Pathophysiologie, Anamnese, Pharmakologie); die Bachelorarbeit hat 12 ECTS. Ein Vorpraktikum regelt die SPO nicht.
Wie Du Studiengänge vergleichst
Frag jede Hochschule, nicht nur nach dem Namen, sondern nach diesen Punkten:
- Wie viele ECTS und wie viele Praxisstunden hat der Studiengang, und was davon ist extern?
- Welche Praktikumsstellen vermittelt die Hochschule, und wer bescheinigt die Kompetenzen (Logbuch)?
- Gibt es eine Abschlussprüfung, die sich am BÄK-Papier orientiert?
- Wie hoch ist der Online-Anteil? Das BÄK-Papier erkennt Fernstudiengänge nicht an (siehe Physician Assistant Fernstudium).
Den Abgleich mit den BÄK-Kriterien, soweit belegt, zeigen die Detailseiten in der Studiengangsübersicht. Weiter: Masterstudiengänge.
