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Physician Assistant: Was ist das? Beruf, Studium und Gehalt 2026 im Überblick

Aktualisiert am 02.11.2026Redaktion, Herausgeber: Hendrik Loll

Verzweigter Weg über eine Papierlandschaft mit kleinen Stationen, verbunden durch Linien

Kurzantwort: Ein Physician Assistant (PA) ist ein akademischer Gesundheitsberuf, der ärztliche Aufgaben im Rahmen der Delegation und unter ärztlicher Verantwortung übernimmt. Der Zugang führt über ein Bachelorstudium (laut BÄK mindestens 180 ECTS mit, 210 ECTS ohne Vorausbildung). Ein Berufsgesetz gibt es nicht (Stand 25.10.2026); aktuell erfassen wir 28 bewerbbare Studiengänge.

Definition: Was ist ein Physician Assistant?

Die Bundesärztekammer (BÄK) beschreibt den Physician Assistant (PA) als „akademischen Gesundheitsberuf“ (BÄK 2025, S. 4). PAs „arbeiten in enger Kooperation mit Ärztinnen und Ärzten und übernehmen ärztliche Aufgaben im Rahmen der Delegation und unter ärztlicher Supervision“ (BÄK-Positionspapier 04/2025, S. 3). Ihr Beitrag bestehe in der dauerhaften Übernahme delegierbarer ärztlicher Tätigkeiten, „wobei der Grundgedanke der Heilkundeausübung von Ärztinnen und Ärzten davon unberührt bleibt“.

Das ist der entscheidende Satz für alle, die den Beruf mit dem Arztberuf vergleichen: Ein PA entscheidet nicht selbst über Diagnose und Therapie, sondern führt delegierte Aufgaben aus. Was das im Einzelnen heißt, klären wir in Was darf ein Physician Assistant? und im Delegations-Check.

Andere Bezeichnungen

„Physician Assistant“ ist laut BÄK eine aus dem internationalen Sprachgebrauch entlehnte Bezeichnung; international werde zunehmend auch „Physician Associate“ verwendet (BÄK 2025, S. 3, Fn. 1). Deutsche Bezeichnungen sind „Medizinassistent“ oder „Arztassistent“, sie werden aber, so schon das BÄK/KBV-Konzept von 2017 (S. 5) und die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags 2026 (S. 5 f.), uneinheitlich verwendet; teilweise taucht auch „Arztvertreter“ auf. Wer „Arztassistent“ sucht, ist hier richtig; Stellenanzeigen mit diesem Titel können aber auch andere Qualifikationen meinen.

Rechtsstatus: ein Beruf ohne Berufsgesetz

Anders als Pflegefachpersonen oder Operationstechnische Assistenten haben PAs kein eigenes Berufsgesetz. Die Bundesärztekammer sieht die Nomenklatur „bislang noch nicht in einem Berufsgesetz festgeschrieben“ (BÄK 2025, S. 3). Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags stellten im April 2026 fest, dass die Sonderregeln für Pflegepersonal (§§ 15, 15a SGB V) „aktuell keine analoge Anwendung auf PAs“ finden (WD 8-033/26, S. 26 f.). Einen Referentenentwurf für ein PA-Gesetz haben wir bei unserer Recherche am 25.10.2026 nicht gefunden. Eine Besonderheit ist Sachsen: Die Sächsische Weiterbildungsverordnung Arztassistent vom 11.08.2018 (SächsAAssWBVO) regelt die „staatlich anerkannte Weiterbildungsbezeichnung zur Arztassistenz (Physician Assistant)“ für Absolventen akkreditierter Studiengänge mit Gesundheitsfachberuf (§§ 1, 5, 6). Das ist keine bundesweite Berufszulassung. Details und Zeitleiste: Gibt es ein Physician-Assistant-Gesetz? und Ist Physician Assistant ein anerkannter Beruf?.

Was macht ein Physician Assistant?

Die BÄK nennt als beispielhafte Tätigkeiten (Positionspapier 2025, S. 4):

  • standardisierte, vorbereitende Anamneseerhebung und standardisierte Untersuchungstechniken,
  • Leistungen im Bereich der Diagnostik,
  • Umsetzung des Therapieplans samt Prozesssteuerung und Monitoring,
  • Vermittlung standardisierter Informationsmaterialien zur Aufklärung,
  • administrative und koordinierende Aufgaben wie Arztbriefe, OP-Berichte und Dokumentation.

Im Krankenhaus kommen laut BÄK Visiten, zweite Assistenz bei Operationen, Sonographien und Echokardiographien, das Legen von Zugängen und Punktionen hinzu. Die vollständige Aufstellung nach Kompetenzstufen findest Du unter Physician Assistant Aufgaben.

Wo arbeiten Physician Assistants?

BereichStandQuelle und Stand
KrankenhausSchätzungen gehen von rund 90 % der PAs ausRheinisches Ärzteblatt 9/2025, S. 18 f.
Ambulante Versorgungwächst; in einer KV-Nordrhein-Umfrage 2024 gaben 58 von 300 antwortenden Ärztinnen und Ärzten an, einen PA zu beschäftigen (die Bertelsmann-Studie nennt für dieselbe Umfrage 19 % bzw. 60 Praxen; die Quellen weichen ab)Rheinisches Ärzteblatt 9/2025, S. 19; Bertelsmann Stiftung 03/2026
Abrechnung ambulantkeine speziellen Abrechnungsmöglichkeiten im EBM; das Gehalt wird individuell ausgehandeltRheinisches Ärzteblatt 9/2025, S. 19
Hausarztpraxis, EvaluationStudie „PAAM“ mit 24 Hausarztpraxen über 18 Monate, gefördert aus dem InnovationsfondsRheinisches Ärzteblatt 9/2025, S. 19

Dass ambulant keine eigene Abrechnung existiert, ist für Praxen der Knackpunkt: Die Refinanzierung ist ungeklärt. Mehr dazu in Physician Assistant in der Hausarztpraxis und Einsatzbereiche und Arbeitgeber.

Studium und Zugang

Die Berufsbezeichnung führt über ein Bachelorstudium (B. Sc.). Die BÄK unterscheidet (Positionspapier 2025, S. 5 f.):

VarianteMindestumfangVoraussetzungQuelle und Stand
Sekundärqualifizierend180 ECTSabgeschlossene Ausbildung in einem von 17 Gesundheitsberufen (u. a. MFA, Pflege, OTA, ATA, Notfallsanitäter)BÄK 2025, S. 5
Primärqualifizierend210 ECTS (7 Semester)sechswöchiges Pflegepraktikum vor Studienbeginn (auch FSJ oder Bundesfreiwilligendienst)BÄK 2025, S. 6

Ein Fernstudium wird laut BÄK „nicht anerkannt“ (S. 5). Die Papiere der BÄK sind keine Rechtsnormen, wirken aber als Rahmen: Laut Rheinischem Ärzteblatt hat die IU Internationale Hochschule unter Verweis darauf keine neuen Bewerber zum Fernstudium mehr zugelassen. Alle Details: Physician Assistant Studium und BÄK-Positionspapier erklärt.

In unserer Datenbank stehen aktuell 28 bewerbbare Angebote (35 insgesamt, Stand 05.11.2026); den Vergleich findest Du in der Studiengangsübersicht. Zu den Marktzahlen ist die Quellenlage uneinheitlich: Das Rheinische Ärzteblatt zählt 26 Hochschulen mit 42 Standorten und private Gebühren von 450 bis 750 Euro monatlich, andere Quellen kommen auf andere Zahlen, weil sie anders zählen.

Wie lange gibt es den Beruf?

Das Studium wird in Deutschland seit 2005 angeboten (DGPA; WD 8-033/26, S. 5). Die Deutsche Gesellschaft für Physician Assistants wurde am 12. Februar 2008 von Absolventinnen und Absolventen des ersten deutschen PA-Studiengangs in Lahr gegründet (WD, Fn. 2). Das BÄK/KBV-Konzept von 2017 zählte 179 Absolventen seit 2005, die direkt in die Patientenversorgung gewechselt waren, und für Oktober/November 2015 mindestens 225 Studierende (Konzept 2017, S. 5); knapp zehn Jahre später spricht das Rheinische Ärzteblatt von rund 1.800 Absolventen (Stand 2024). Der 120. Deutsche Ärztetag 2017 stellte sich hinter das Delegationsmodell; im April 2025 aktualisierte die BÄK das Konzept.

Gehalt

Eine PA-spezifische Eingruppierung in TVöD oder TV-L haben wir nicht gefunden. BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit ordnet PAs der Berufsgattung KldB 81333 zu („Operationstechn. Assistenz - Spezialist“); deren Median liegt im Entgeltatlas bei 4.954 € brutto pro Monat (Vollzeit, Stichtag 31.12.2025). Das ist keine PA-Erhebung. Zahlen, Tarifwerte und Einordnung: Physician Assistant Gehalt.

Physician Assistant oder Medizinstudium?

Wer Ärztin oder Arzt werden möchte, sollte wissen: Ein PA-Bachelor ersetzt das Medizinstudium nicht und ist kein bevorzugter Weg dorthin. Die Gründe stehen in Physician Assistant oder Medizinstudium und Ist Physician Assistant ein Weg ins Medizinstudium?.

Häufige Fragen

Was ist ein Physician Assistant?

Ein hochschulisch qualifizierter Gesundheitsberuf. PAs übernehmen laut Bundesärztekammer ärztliche Aufgaben im Rahmen der Delegation und unter ärztlicher Supervision; die Ausübung der Heilkunde bleibt ärztliche Aufgabe.

Ist Physician Assistant ein Beruf mit Berufsgesetz?

Bundesrechtlich nein. Die Bundesärztekammer weist im Positionspapier 2025 darauf hin, dass die Nomenklatur bislang nicht in einem Berufsgesetz festgeschrieben ist. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags behandeln ein „PA-Berufsgesetz“ im April 2026 nur als mögliches künftiges Gesetz; ein konkretes Regelungskonzept lag ihnen nicht vor (WD 8-033/26, S. 32). Eine Besonderheit ist Sachsen: Dort regelt eine Landesverordnung von 2018 die Weiterbildungsbezeichnung „staatlich anerkannte Arztassistenz (Physician Assistant)“.

Wie viele Physician Assistants gibt es in Deutschland?

Verlässliche Gesamtzahlen fehlen. Das Rheinische Ärzteblatt nennt rund 1.800 Absolventen seit 2005 (Stand 2024); andere Quellen nennen höhere Zahlen. Die Abweichungen dokumentieren wir in der Methodik.

Wo arbeiten Physician Assistants?

Nach Schätzungen, die das Rheinische Ärzteblatt wiedergibt, rund 90 % im Krankenhaus. Die ambulante Versorgung wächst, ist aber noch klein.

Heißt Arztassistent dasselbe wie Physician Assistant?

Meist ja, aber die deutschen Bezeichnungen „Medizinassistent“ und „Arztassistent“ werden laut BÄK/KBV (2017) und Bundestag (2026) uneinheitlich verwendet. Prüfe deshalb im Einzelfall den Studiengang oder die Stellenbeschreibung.

Quellen